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Kostbar

Kostbar

Manchmal rauscht die Alpzeit mit allen Hochs und Tiefs an einem vorbei. Die Arbeit verlangt einem alles ab, die Tage fliessen ineinander und es scheint, als ob es ewig so weitergehen würde. Doch dann kommt er, der Augenblick, der einem bewusst macht, dass auch der schönste Sommer mal zu Ende sein wird. In diesem Jahr sowieso wohl etwas früher als ursprünglich gedacht.

So sind die Kühe jetzt wieder Tag und Nacht draussen, damit ihnen mehr Zeit bleibt um genügend Futter zu finden. Dann dämmert es auf einmal auch mir, dass die Zeit schon weit fortgeschritten ist. Ich versuche also, die Sommertage nochmals richtig aufzusaugen. Vorgestern beispielsweise war ein wunderschöner, milder Abend und ich konnte mich einfach nicht vom Hüttenbänkli lösen. Die Stimmung war friedlich, die Kühe ruhig, die Spillgerten leuchteten rot. Das Herdengeläut gehört zur täglichen Geräuschkulisse während dem Sommer und ist etwas, was einem sehr fehlt, wenn es nicht mehr zu hören ist. Ich versuchte also, diesen Augenblick für mich irgendwie zu speichern als kostbarer Schatz.

So nehmen wir sie noch in Angriff, die letzten zwei, drei Wochen mit den Tieren. Trotz dem fehlenden Regen und wenig Gras jetzt im Herbst, war es rein emotional ein schöner Sommer. Das Aufstehen fällt viel einfacher bei gutem Wetter. Stellen Sie sich vor, der Sommer wäre so verregnet gewesen, wie er heuer schön war: Ja dann, wären wir wohl ganz und gar nicht zufrieden.

Herzliche Alpgrüsse

Nadja Santschi