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Erchlüpft!

Vor paar Tagen gingen Simon und ich abends ein wenig über die Alpweiden, hielten Ausschau nach stierigen Kühen und begutachteten das Gras und natürlich vor allem die Brunnen. Langsam aber sicher werden die kleinen Bäche zu Rinnsalen und die Brunnen füllen sich sehr viel langsamer als auch schon. Aber noch geht es, also jammern wir erst wenn es denn wirklich nötig ist…

Da auch Boss, der Muni, bei den Kühen weilt – ein lieber Pascha zwar, aber man weiss halt trotzdem nie – nahm Simon einen Stock zur Hand. Was lachte ich ihn aus, das sei jetzt doch wohl etwas übertrieben, der Muni mache nichts! Doch keine zwei Minuten später fauchte mich etwas aus dem Gras an und ich erschrak, schaute, schrie und rannte. Ein Dachs, wohl noch ein junger, sass im Gras vor mir und schaute mich böse an. Er hatte wohl in dem Moment genauso Angst vor mir wie ich vor ihm.

Simon verstand die Welt nicht mehr, er konnte schliesslich von Weitem nichts erkennen im hohen Gras. Er meinte nur: «Siehst du, man muss immer den Stock mitnehmen, man weiss halt einfach nie…». Gut, jetzt lache ich ihn nicht mehr aus, oder zumindest nur noch ein wenig!

Herzliche Grüsse von der Alp

Nadja Santschi

10.7.18


Gluscht uf Mutsch

Anfangs Sommer ist es jeweils so, dass alle grossen «Gluscht uf Mutsch» haben. Gerade in den ersten Tagen starten wir mit der Produktion des Halbhartkäses und schon zwei Tage später fragen die ersten Gäste und Freunde nach Mutschli. Obwohl dieser nicht allzu lange Lagerzeit braucht, so benötigt er doch mindestens einen Monat im Keller bis sich der typische Geschmack entwickelt.

Gegen Ende Juni heisst es dann schon langsam von Stammgästen: «Du bist wieder mal geizig mit der Herausgabe vom Mutschli» und fast kommt es soweit, dass wir die Kellertür abschliessen müssen, dass nicht doch jemand schon einen anschneidet. Denn diese Ehre lassen wir uns natürlich nicht nehmen! Der erste Mutsch und Alpkäse der Saison probieren wir Sennen, das ist klar…

So geniessen wir jeweils den Moment, wenn wir schon mal einen Bissen nehmen können und machen alle anderen zu Hause im Tal neidisch mit hübschen Fotos davon. Ja, gewisse Privilegien muss man halt haben.

Obwohl die «Bise» heftig weht, geniessen wir die schönen Tage und das Aufstehen fällt leicht. Manchmal gibt es auch großartige Überraschungen. Gerade am Sonntag kam Piotr nachmittags angerannt, die Loni sei am kalben. Ich hielt die Stellung im Beizli und Simon hastete in den Stall, doch der kleine Muni war – schwupps – schon im Stallgang gelandet. Noch ist er etwas skeptisch den Zwergziegen gegenüber, aber auch das wird sich wohl bald ändern.

So bringt jeder Tag etwas ganz Spezielles mit sich und macht das Älplerleben spannend.

Herzliche Grüsse von der Alp,

Nadja Santschi

24.6.18

Vom Kleinsten bis zum Grössten

Wenn ein neues Lebewesen das Licht der Welt erblickt, ist das immer ein besonderer Moment. Ich erinnere mich gut, als ich zum ersten Mal bei einer Kuh dabei war. Es hat mich sehr beeindruckt, wie perfekt alles geplant ist. Die Klauen der Kälber beispielsweise sind ganz weich zum Schutz der Mutter.

Wir müssen zugeben, dass momentan bei den Gästen jedoch die noch kleineren Tiere hoch im Kurs stehen. So werden die jungen Katzen täglich geherzt und fast «verknuddelt» und auch die jungen, erst wenige Tage alten Zwergzieglein sind wirklich zuckersüss.

Die Natur vollbringt immer wieder Wunder. Aber manchmal ist sie auch sehr hart. So hat ein wilder, fremder Kater die kleinen Katzen angegriffen und hat einem schwer zugesetzt. Das kleine Büsi ist jetzt unser Patient und alle hoffen, dass es irgendwann wieder herumtoben kann wie die anderen.

Auch die eine Zwergziegen-Mutter kümmert sich nicht so richtig um ihr Kleines und es benötigt immer unsere Hilfe, damit es zu Milch kommt. Sie scheint es fast zu ignorieren.

Ganz ruppig geht es auch bei den Schweinen zu und her. Ist ein Schweinchen krank, quälen es die anderen bis es nicht mehr kann.

Liebe Leserinnen & Leser, manchmal ist es schwer zu verstehen und das Mitleid ist unsäglich gross. Doch viel anderes als zu akzeptieren, dass die Natur wohl weiss, was sie tut, bleibt einem nicht übrig. Ausser die Jungtiere nach bestem Wissen und Gewissen und wenn möglich wieder aufzupäppeln. Und wenn es gelingt, ist das ein unbeschreibliches Gefühl. Wir geben unser Bestes!

Herzliche Grüsse

Nadja Santschi, Site Alp


Friedlechi Momänt

Da ist er wieder, der Alpalltag! Vor dem Start fragten wir uns: «Wissen wir noch wie das geht mit dem Käsen?!» Doch die Handgriffe sitzen gleich wieder und ohne viel zu überlegen arbeiten wir Hand in Hand. Natürlich, ein kleines Zögern da, ein paar Schritte mehr – das gehört dazu bei der Herstellung der ersten Käse.

Schon nach wenigen Tagen lassen sich auch wieder typische Alp-Mechanismen feststellen: Die Laune des Käsers ist stark abhängig vom Säuregrad der Kultur und die der Zusennen vom Benehmen der Kühe. Die Schweine sind sich die Sonne noch nicht gewöhnt und verbrennen sich gerne den Rücken. Der Muni, der «Luuscheib», schielt ständig zu den Rindern und die Zwergziegen in Richtung der frischgepflanzten Geranien. Wie sie sehen, liebe LeserInnen, es geht sofort wieder turbulent zu und her. Serviceleute, Bauarbeiter, Bauern, Nachbarn, Gäste, Freunde – alle gehen ein und aus. Das gehört für uns zum Alpgefühl dazu.

Doch unendlich kostbar sind auch jene Momente, wenn die Arbeit getan ist: Wenn die Tiere versorgt und zufrieden sind, der Käse langsam vor sich hin reift und wir zusammen vor der Hütte sitzen. Ja, dann geniessen wir sie ganz fest: die lang ersehnten friedlichen Alp-Momente!

Start in Sicht!

Noch vor nicht allzu langer Zeit haben alle gemeint: «Dieses Jahr wird es kein früher Alpsommer werden. Der Schnee ist zäh und erst diese Menge…». Auch wir haben uns manchmal fast nicht vorstellen können, dass es wieder Sommer wird. Doch wie immer hat es die Natur schon für uns geregelt.

Nun also steht der Alpaufzug fast vor der Tür und es gibt noch viel zu tun. Trotz der Routine – Simon geht nun seit mehr als zehn Jahren z’Bärg – wird es zeitlich immer wieder etwas knapp. Klar, manchmal ist man auch einfach zu «pingelig» und hat noch viele, ja fast zu viele Ideen im Kopf. Es ist halt schön, wenn möglichst alles bereit und gut organisiert ist, wenn die Kühe dann oben ankommen.

So wissen wir eigentlich, was auf uns zukommt und trotzdem sind die ersten Tage und Wochen auf der Alp mit Aufregung verbunden. Vom neuen Team, den neuen Kühen und auch vom Wetter ist so vieles abhängig! Aber eines habe auch ich hier oben gelernt: Irgendwie geht es immer und es wird auch wieder Herbst. So freuen wir uns auf die kommende Zeit mit all ihren Abenteuern. Ganz bestimmt werde ich Ihnen, liebe Leserinnen & Lesern, das eine oder andere auch berichten.

Eine gute Zeit! Herzlich, Nadja Santschi