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Hütten-Gefühle im Winter

Hütten-Gefühle im Winter

Der Alpsommer scheint ewig weit weg zu sein. Ich sitze zwar am selben Platz in der Alpküche und doch ist alles anders als im Sommer. Anstatt grün ist es draussen weiss, anstatt Glocken-Geläut und Gemuhe hört man ….. nichts. Es ist absolut still. Gerade hat auch der leidige Föhn aufgehört zu blasen – was unsere Hoffnung nährt, er möge uns ein wenig Schnee übriglassen. Oha! Nur ab und an «chlepfts» im Dampfkessel und das erschreckt mich immer wieder. Der Dampfkessel ist kalt und wird seit längerem zum ersten Mal wieder eingefeuert. Ja, der Luxus von warmem Wasser ist halt auch im Winter extrem praktisch!

Gestern haben wir uns frühmorgens trotz garstigem Wetter rausgewagt und sind mit den Touren-Skis Richtung Schiltenegg gewandert. Im Sommer wünschte ich mir manchmal, ich müsste an solch «grausigen» Tagen nicht raus und jetzt mache ich es freiwillig. Der Mensch ist schon ein ganz eigenartiges Wesen – zumindest ich!

Wie auch immer, der Wind blies uns den Schneeregen mitten ins Gesicht, die Aussicht beschränkte sich auf wenige Meter und eine geniale Abfahrt durch stiebenden Pulverschnee erwartete uns auch nicht gerade. Trotzdem: Es sind Momente von Glück. Ein Erlebnis mitten im Nirgendwo – so scheint es zumindest. Obwohl wir haargenau wissen, wo wir uns befinden (etwa lächerliche 900m von der Hütte entfernt) fühlen wir uns doch wie Abenteurer auf einer anspruchsvollen Expedition im Hochgebirge.

So geht es immer wieder darum, die Balance zu finden. Nicht nur zwischen Abenteuer und Ruhe, sondern auch zwischen Tradition und Fortschritt, aktiv sein und geschehen lassen. Ich finde das ist es, was spannend ist, auch wenn es sich manchmal wie ein Hochseilakt anfühlt. Hier oben und auch sonst überall.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Advents-Zeit und die Möglichkeit, kostbare Augenblicke zu geniessen.

Herzliche Grüsse

Nadja