Site Alp
Kostbar

Manchmal rauscht die Alpzeit mit allen Hochs und Tiefs an einem vorbei. Die Arbeit verlangt einem alles ab, die Tage fliessen ineinander und es scheint, als ob es ewig so weitergehen würde. Doch dann kommt er, der Augenblick, der einem bewusst macht, dass auch der schönste Sommer mal zu Ende sein wird. In diesem Jahr sowieso wohl etwas früher als ursprünglich gedacht.

So sind die Kühe jetzt wieder Tag und Nacht draussen, damit ihnen mehr Zeit bleibt um genügend Futter zu finden. Dann dämmert es auf einmal auch mir, dass die Zeit schon weit fortgeschritten ist. Ich versuche also, die Sommertage nochmals richtig aufzusaugen. Vorgestern beispielsweise war ein wunderschöner, milder Abend und ich konnte mich einfach nicht vom Hüttenbänkli lösen. Die Stimmung war friedlich, die Kühe ruhig, die Spillgerten leuchteten rot. Das Herdengeläut gehört zur täglichen Geräuschkulisse während dem Sommer und ist etwas, was einem sehr fehlt, wenn es nicht mehr zu hören ist. Ich versuchte also, diesen Augenblick für mich irgendwie zu speichern als kostbarer Schatz.

So nehmen wir sie noch in Angriff, die letzten zwei, drei Wochen mit den Tieren. Trotz dem fehlenden Regen und wenig Gras jetzt im Herbst, war es rein emotional ein schöner Sommer. Das Aufstehen fällt viel einfacher bei gutem Wetter. Stellen Sie sich vor, der Sommer wäre so verregnet gewesen, wie er heuer schön war: Ja dann, wären wir wohl ganz und gar nicht zufrieden.

Herzliche Alpgrüsse

Nadja Santschi


E trochni Sach

Es ist 6 Uhr morgens und ich hätte gerade wunderbar Zeit um wieder mal ein paar Zeilen über das Alpleben zu schreiben und Büroarbeiten zu erledigen. Es ist so, dass ich die Stallarbeit zumindest vorübergehend abgegeben habe, da alles zusammen etwas viel wurde. Nur gibt es ein Problem: Frühmorgens bin ich nie sonderlich kreativ. So will mir gerade nicht viel Spannendes in den Sinn kommen.

Es ist nicht ganz dasselbe ohne das Melken. Einerseits brauche ich mich nicht über die eine Kuh zu ärgern, die nie an den Platz geht (ein wirklich äusserst stures Ding!) und andererseits bin ich nun wirklich den ganzen Tag in der Hütte tätig. Statt mich verschlafen an eine Kuh anzulehnen, nutze ich also die Zeit um die Tasten am Computer zu drücken. Nur gibt der so gar keine Emotionen retour!

Doch gerade leuchtet er auf, der Bildschirm! Nicht weil mir die zündende Idee gekommen wäre, sondern weil die Sonne in dem Moment über dem Boltig Niederhorn erscheint und direkt durchs Fenster scheint. Schon bin ich wieder abgelenkt und geniesse die ersten Sonnenstrahlen. Höre, wie das Butterfass dreht, die Melkmaschine surrt und die Kälber hungrig nach Milch rufen. Ein ganz normaler Morgen also. Was uns heute wohl wieder alles erwartet?

Immer dann nämlich, wenn man glaubt, es laufe alles wie am Schnürchen, passiert es: Die Kühlzelle steigt aus, das Rührwerk macht komische Geräusche oder die «Nidletäfeli» kochen über (zugegeben - das ist nicht Pech, sondern menschliches Versagen). Hoffen wir mal, dass uns heute keine solchen Überraschungen erwarten. Wir werden es sehen…

Eine gute Woche und herzliche Grüsse

Nadja Santschi


Erchlüpft!

Vor paar Tagen gingen Simon und ich abends ein wenig über die Alpweiden, hielten Ausschau nach stierigen Kühen und begutachteten das Gras und natürlich vor allem die Brunnen. Langsam aber sicher werden die kleinen Bäche zu Rinnsalen und die Brunnen füllen sich sehr viel langsamer als auch schon. Aber noch geht es, also jammern wir erst wenn es denn wirklich nötig ist…

Da auch Boss, der Muni, bei den Kühen weilt – ein lieber Pascha zwar, aber man weiss halt trotzdem nie – nahm Simon einen Stock zur Hand. Was lachte ich ihn aus, das sei jetzt doch wohl etwas übertrieben, der Muni mache nichts! Doch keine zwei Minuten später fauchte mich etwas aus dem Gras an und ich erschrak, schaute, schrie und rannte. Ein Dachs, wohl noch ein junger, sass im Gras vor mir und schaute mich böse an. Er hatte wohl in dem Moment genauso Angst vor mir wie ich vor ihm.

Simon verstand die Welt nicht mehr, er konnte schliesslich von Weitem nichts erkennen im hohen Gras. Er meinte nur: «Siehst du, man muss immer den Stock mitnehmen, man weiss halt einfach nie…». Gut, jetzt lache ich ihn nicht mehr aus, oder zumindest nur noch ein wenig!

Herzliche Grüsse von der Alp

Nadja Santschi

10.7.18


Gluscht uf Mutsch

Anfangs Sommer ist es jeweils so, dass alle grossen «Gluscht uf Mutsch» haben. Gerade in den ersten Tagen starten wir mit der Produktion des Halbhartkäses und schon zwei Tage später fragen die ersten Gäste und Freunde nach Mutschli. Obwohl dieser nicht allzu lange Lagerzeit braucht, so benötigt er doch mindestens einen Monat im Keller bis sich der typische Geschmack entwickelt.

Gegen Ende Juni heisst es dann schon langsam von Stammgästen: «Du bist wieder mal geizig mit der Herausgabe vom Mutschli» und fast kommt es soweit, dass wir die Kellertür abschliessen müssen, dass nicht doch jemand schon einen anschneidet. Denn diese Ehre lassen wir uns natürlich nicht nehmen! Der erste Mutsch und Alpkäse der Saison probieren wir Sennen, das ist klar…

So geniessen wir jeweils den Moment, wenn wir schon mal einen Bissen nehmen können und machen alle anderen zu Hause im Tal neidisch mit hübschen Fotos davon. Ja, gewisse Privilegien muss man halt haben.

Obwohl die «Bise» heftig weht, geniessen wir die schönen Tage und das Aufstehen fällt leicht. Manchmal gibt es auch großartige Überraschungen. Gerade am Sonntag kam Piotr nachmittags angerannt, die Loni sei am kalben. Ich hielt die Stellung im Beizli und Simon hastete in den Stall, doch der kleine Muni war – schwupps – schon im Stallgang gelandet. Noch ist er etwas skeptisch den Zwergziegen gegenüber, aber auch das wird sich wohl bald ändern.

So bringt jeder Tag etwas ganz Spezielles mit sich und macht das Älplerleben spannend.

Herzliche Grüsse von der Alp,

Nadja Santschi

24.6.18

Vom Kleinsten bis zum Grössten

Wenn ein neues Lebewesen das Licht der Welt erblickt, ist das immer ein besonderer Moment. Ich erinnere mich gut, als ich zum ersten Mal bei einer Kuh dabei war. Es hat mich sehr beeindruckt, wie perfekt alles geplant ist. Die Klauen der Kälber beispielsweise sind ganz weich zum Schutz der Mutter.

Wir müssen zugeben, dass momentan bei den Gästen jedoch die noch kleineren Tiere hoch im Kurs stehen. So werden die jungen Katzen täglich geherzt und fast «verknuddelt» und auch die jungen, erst wenige Tage alten Zwergzieglein sind wirklich zuckersüss.

Die Natur vollbringt immer wieder Wunder. Aber manchmal ist sie auch sehr hart. So hat ein wilder, fremder Kater die kleinen Katzen angegriffen und hat einem schwer zugesetzt. Das kleine Büsi ist jetzt unser Patient und alle hoffen, dass es irgendwann wieder herumtoben kann wie die anderen.

Auch die eine Zwergziegen-Mutter kümmert sich nicht so richtig um ihr Kleines und es benötigt immer unsere Hilfe, damit es zu Milch kommt. Sie scheint es fast zu ignorieren.

Ganz ruppig geht es auch bei den Schweinen zu und her. Ist ein Schweinchen krank, quälen es die anderen bis es nicht mehr kann.

Liebe Leserinnen & Leser, manchmal ist es schwer zu verstehen und das Mitleid ist unsäglich gross. Doch viel anderes als zu akzeptieren, dass die Natur wohl weiss, was sie tut, bleibt einem nicht übrig. Ausser die Jungtiere nach bestem Wissen und Gewissen und wenn möglich wieder aufzupäppeln. Und wenn es gelingt, ist das ein unbeschreibliches Gefühl. Wir geben unser Bestes!

Herzliche Grüsse

Nadja Santschi, Site Alp