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Weisse Perfektion

Auch das perfektionistische Wesen hätte für einmal nichts auszusetzten an der wunderbaren, glatten, seidenweichen weissen Wand, die sich vor mir in Richtung Himmel erstreckt. Tief verschneit zeigt sich die sanfte Landschaft im Sparenmoos. Die Schatten sind bereits wieder lang und der weisse Teppich liegt unberührt und vollkommen da.

Dann plötzlich huscht ein Hase vorbei. Nicht so schnell, wie im Sommer, denn der Tiefschnee verschluckt ihn zweitweise fast. Mit der Hoppel-Spur wird die Szenerie tatsächlich noch ein bisschen kitschiger. Genauso stelle ich mir Winter vor. Aber glauben Sie mir, es geht noch besser: Wenn man sich das alles während dem Bad im warmen Hotpot ansieht!

Die Gäste haben sich alle verabschiedet. Simon kümmert sich noch ums Aufräumen und ich geniesse diesen wahren Luxus. Was braucht man mehr im Leben? Ein Gefühl von Freiheit durchflutet mich und plötzlich weiss ich es genau: Das ist einer jener Momente, an die ich mich noch lange zurückerinnern werde. Fast schon höre ich mich selber sagen: "Damals, das war schön! Da waren wir noch jung und verrückt."

Doch auch der schönste Augenblick geht vorbei und nach einem kurzen Quieken und erschrockenem Einatmen geht es husch durch den Schnee wieder in die warme Hütte. War doch gar nicht so schlimm…

Eine schöne Woche und herzliche Grüsse

Nadja Santschi

 


Puste fehlt

So ist sie vorbei, die aufregende Weihnachts- und Neujahrsphase und wir sind im sogenannten Januarloch angekommen. Es ist ruhiger im Sparenmoos-Gebiet. Es bleibt Zeit für Büroarbeiten, allerlei Erledigungen, Putzen und auch wieder mal für etwas Sport. Nein, jetzt gibt es keine Ausrede mehr, die Langlaufskis selber auch wieder mal zu bewegen und nicht nur die anderen Läufer zu einer Pause zu verführen.

So starte ich heute Nachmittag ganz motiviert von der Site Hütte aus. Herrlich gespurt und wie ein weisser Teppich liegt die Loipe vor mir – eine wahre Freude! Es ist ziemlich kalt, die Luft brennt mir schon bald ein bisschen in der Lunge. Nach der ersten Steigung flacht die Motivation schon merklich ab. Wie nur konnte ich seit dem letzten Mal vergessen, dass es so unheimlich anstrengend ist?! Doch wenigstens wärmt sich mein Körper schnell auf.

Es dauert nicht lange, da verheddere ich mich mit den Stöcken und falle aus dem Rhythmus. Noch fange ich mich gut wieder auf und skate fleissig weiter bergauf. Wie immer schwöre ich mir, dass ich ab jetzt häufiger trainieren gehe. Denn eines weiss ich, mit mehr Training macht es auch mehr Spass. Auch die paar restlichen Schwangerschaftskilos begleiten mich halt, was bekanntlich nicht gerade zu einer Leistungssteigerung führt.

Wie dem auch sei - nach der ersten Abfahrt ist die Euphorie wieder gross! Ich beschliesse trotz schlechter werdenden Lichtverhältnissen, die rote Loipe «Stockbrunnen» auch noch in Angriff zu nehmen. Bald schon bereue ich es, die Puste geht mir aus. Doch Umdrehen und in der Gegenrichtung zu den Pfeilen laufen – nein – das kann ich ja wirklich nicht! So beisse ich die Zähne zusammen und fluche immer lauter, wenn die Koordination macht was sie will. Verkrampft und entmutigt erreiche ich den hintersten Punkt. Doch schon nach wenigen Metern «nidsi» fahren stellt es sich ein: das super Hoch-Gefühl!

Angekommen in der Hütte sind die Beine leer, ich aber bin zufrieden. Währenddem ich mich bei einem Punsch erhole und Simon von meinen Hochs und Tiefs erzähle, lacht mich der Nussgipfel an und ich meine zu hören wie er sagt: «Iss mich, dann bist du wieder fit!». Welch ein Trugschluss, aber ich esse ihn trotzdem!

Eine gute Zeit und herzliche Grüsse

Nadja Santschi


Weisst du noch damals im 18?

Diese Saison wird wohl noch eine Weile in Erinnerung bleiben als der nicht enden wollende Sommer. Gut erinnere ich mich an diverse Mutmassungen im Frühling: So teilten manche mit, es gäbe einen «leiden» Sommer, einen kalten und nassen. Und es kam bekannterweise ganz, ganz anders…

Nun ist bereits fast Ende Oktober und nichts lässt einen an einen frühen Winterstart glauben. Trotzdem haben wir nach tollen Wochenenden im Oktober die Alptüre für Gäste nun eine Weile geschlossen. Nicht nur die Vorbereitungsarbeiten für die Wintersaison stehen an, sondern auch Erholung haben wir ehrlicherweise alle nötig – speziell jetzt als kleine Familie.

Wenn ich mich an die vergangene Zeit zurückerinnere, dann erscheinen mir hauptsächlich Bilder von Sonnenschein, vielen Gästen, lachenden Gesichtern, nassgeschwitzten T-Shirts, fast leeren Brunnentrögen und den Trottinetts, die beim Bahnhof auf ihre Abholung warten. Manchmal erstaunlich schön aufgereiht, manchmal auch kreuz und quer über den Platz verteilt – täglich eine kleine Überraschung!

Wieder einmal hatten wir ein riesiges Glück und durften uns auf ein super Team verlassen. Nebst den angestellten Zusennen war auch die Familie stets eine grosse Stütze. So musste doch Mathilde, die Schwiegermama, nun im Herbst von einem Tag auf den anderen die Gruppenorganisation und andere Aufgaben wieder übernehmen (was natürlich problemlos funktionierte!). Denn wie es sich in turbulenten Zeiten gehört, kam auch das Bébé etwas verfrüht während Baustellen-Stress, grossem Gäste-Andrang, Wohnung zügeln und Abschluss der Alpzeit zur Welt.

Doch schnell waren die Prioritäten klar und die Gäste hatten – wie immer – grosses Verständnis, wenn die Site Alp nicht mehr täglich offen war. So bleibt uns nichts weiter als zu danken für die vielen Besuche, speziell der einheimischen Bevölkerung! Im Dezember werden wir wieder voller Energie im Fondue-Caquelon rühren und freuen uns auf eine herrliche Wintersaison.

Herzliche Grüsse

Nadja


Chästeilet 2018

«Was ist denn da heute wohl los?», mögen sich auch die neugierigen Rinder unter der Hütte gefragt haben, als frühmorgens hin und wieder jemand im Stechschritt an ihnen vorbeigerauscht ist um die letzten Vorbereitungen zu treffen. Noch hüllte der Nebel die Hütte ein, doch die Webcam vom Sparenmoos zeigte bereits wunderbares Spätsommerwetter. Und tatsächlich: Eine halbe Stunde später präsentierte sich auch unsere Hütte in voller Pracht der Morgensonne.

Wie jedes Jahr ist es ganz schwierig abzuschätzen, ob die Bestuhlung vor der Hütte ohne Zelt dafür mit toller Aussicht sinnvoll ist, da die Site Alp unter anderem auch für einen kühlen Wind bekannt ist. Doch was hatten wir für Glück! Selten hat das Wetter in den letzten Jahren dermassen gut mitgespielt. Alle Gäste konnten draussen sitzen und den Tag an der Sonne geniessen, was lediglich zu einigen glühenden Köpfen geführt hat. Nur aufgrund der Sonneneinwirkung meine ich natürlich…

Das Schwyzerörgeliquartett Rinderberg trug massgebend zur gemütlichen Stimmung bei und der Jodlerklub Steffisburg unterhielt die Gäste mit passenden und wunderschönen Gesangseinlagen.

Währenddem draussen eine fantastische Abendstimmung die letzten «Sitzengebliebenen» zum Staunen brachte, füllte sich das Rundholzstübli mehr und mehr. Schön, trafen sich auch zahlreiche Nachbarälpler zum gemeinsamen Raclette-Plausch und tauschten Erlebnisse vom letzten Sommer aus.

Wieder einmal durften wir auf unheimlich viele Stammgäste, Freunde, Bekannte und Einheimische zählen, was uns jedes Jahr ausserordentlich freut und auch mit Stolz erfüllt. Ein herzliches Dankeschön an alle Besucher/innen und natürlich an unsere treuen Helfer, die uns wirklich alle mit unglaublichem Eifer und grosser Ausdauer unterstützt haben. MERCI!

Familie Santschi, Site Alp


Lutz, Träsch, Bätzi, Fertig…

Es ist immer wieder lustig, dass wir in der kleinen Schweiz zwar alle Schweizerdeutsch sprechen und doch verstehen wir einander manchmal schlecht. So wussten unsere Melker im Zimmerboden – ein Aargauer und eine Zürcherin versteht sich – anfangs einfach nicht, wovon wir sprachen, als wir immer wieder das Wort «Guschti» erwähnten. Und wir sind ja noch harmlos… Einige unserer Nachbarn verstehen sie immer noch schlecht.

Auch im Beizli kommt es manchmal zu Diskussionen. Wenn ein Berner sagt, er möchte ein Kafi Zwetschge, so meint er meist ein Kaffee Fertig mit Zwetschgen Schnaps. Wenn dies aber ein Innerschweizer sagt, so erwartet er eigentlich ein Zwetschgen-Lutz. Dasselbe mit dem Kaffee Träsch, wo er dann ein Bätzi-Lutz möchte. Gar nicht so einfach also.

Es ist immer spannend, neue Gäste kennenzulernen und meist können mit einem Lachen und einem Augenzwinkern auch die letzten umgangssprachlichen Barrieren überwunden werden. Und manchmal, da ist es umgekehrt: Man spricht dieselbe Sprache, denselben Dialekt und versteht sich trotzdem nicht. Von dem her ist mir ersteres schon lieber.

Es ist ja auch mit den Tieren nicht anders. Die versteht man sprachlich zwar eigentlich gar nicht und doch versteht man sich mit manchen besser als mit anderen. Vor allem Chicca, die Alpkatze, verstehe ich gerade sehr gut, wenn sie hochschwanger und kugelrund auf dem Boden rumliegt. Geht mir momentan nicht viel anders…

Auch die Schweine sind langsam kugelrund und einige wurden schon abgeholt. Immer ein trauriger Augenblick, aber auch ich muss einsehen, dass wir nicht 150 Schweine ewig als Haustiere halten können. Das wäre doch etwas gar verrückt.

Herzliche Grüsse

Nadja Santschi